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Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freude, Schönheit der Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur,
Darum, Mensch, sei zeitig weise!
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Zitat
Wilhelm Busch

Geocaching

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Sonntag, 5. Juli 2015

La Gomera Tag 10 Agulo und ein Roadtripp

Die Füße sind wund und die Knochen schwer, heute setzen wir mal mit dem Wandern aus und machen einen kleinen Roadtripp mit dem Auto über die Insel. Gestern wollten wir unseren geschundenen Körpern etwas Gutes tun und in den Whirlpool steigen. Dank unserer Entschlussfreudigkeit haben wir das ganze um 24:00 Uhr auch umgesetzt. Leider war das Blubbeding abgestellt, also sind wir Nachts noch ein paar Bahnen im Pool geschwommen. Es war erstaunlich wenig los um die Zeit, und kein dummes Handtuch blockierte eine Liege.

Nach dem Frühstück gehen wir immer einem Ritual nach, wir spazieren zu einem Aussichtspunkt am Hotel und rauchen eine Zigarette bei Meerblick. Unterwegs passieren wir immer eine Liegefläche, auf der sich jeden Tag aufs neue das exakt gleiche Bild bietet. Auf der linken Sonnenliege liegt eine beleibte Frau mit ungesunder rotbrauner Hautfarbe auf dem Bauch und auf der rechten Sonnenliege sitzt ein Mann mit Buch. Es ist ein sehr dünnes Buch aber es ist immer das Selbe seit einer Woche. Ich habe ja nichts gegen Rituale oder auch gewisse Gesetzmäßigkeiten, aber die treiben es auf die Spitze. Jeden Tag auch noch mit der gleichen Körperhaltung am selben Ort zur selben Zeit, das ist zu viel der Routine. Man muss sich das wie ein unschönes Gemälde vorstellen, was bei den ersten Sonnenstrahlen aufgehängt wird und am Abend nimmt man es ab, das Bild bleibt das gleiche.

Wir wollten nicht dieser Routine verfallen und machten uns mit dem Mietwagen auf Richtung Agulo, einem kleinen typischen kanarischen Dorf. Wir waren vor fünf Jahren schon einmal dort und wollten den Flair noch einmal erleben. Ich weiß wie das jetzt nach meiner oben dargestellten Situation klingt. Aber wir bewegen uns wenigstens bei unseren Zwangsritualen.

Während wir so durch die Serpentinen fahren wird unsere Fahrt durch eine Straßenbarrikade gestoppt. Die Straße ist gesperrt. Ich hatte davon in einem La Gomera Forum gelesen, ein riesiger Erdrutsch hat die Straße zerstört. Schlau wäre es gewesen, sich auch noch zu merken, welche Straße das ist, so dass man keine unnötigen Umwege fahren muss. Habe ich aber nicht und so mussten wir unnötige Umwege fahren. Die Alternativroute verlief über eine sehr schmale Bergstraße, die in beide Seiten befahrbar ist. Und in den Kurven kam es zwei mal fast zu einem engen Kontakt mit Einheimisch bzw. ihren Fahrzeugen. Der Gomero an sich macht sich wenig Gedanken, was hinter der nächsten Kurve kommt, er hällt drauf.

Aber wir sind sicher in Agulo angekommen und wir erzählten uns vor Ort von alten Geschichten die wir hier erlebt haben. Mir ist immer ein besonder Türklopfer in Erinnerung geblieben, den ich vor fünf Jahren auch fotografiert habe. Und als wir diese olle Kamelle wieder durchkauten meinte Vic beim durch die Straßen schlendern, schau mal, da ist er. Und tasächlich, mein Türklopfer, der mich nach fünf Jahren immer noch fasziniert ist noch an Ort und Stelle. Ich habe ihn gleich noch einmal fotografiert.

Agulo hat nichts Besonderes an sich aber das ist das Besondere. Ein kleines verträumtes Dorf mit schicken Gassen, das eine Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt.

 

Es ist halt ein typisches kanarisches Dorf, was weitestgehend vom Tourismus verschont wurde. Wir schlenderten ziellos durch die kleine Gassen und genossen einfach das vor Ort sein.

 

Agulo liegt übrigens eingebettet von sehr beeindruckenden Felswänden. Es ist ein abstraktes Bild, diese romantisch wirkenden bunten Häuschen umgeben von rauen, schroffen hunderte Meter hohen Fels.

Nachdem wir unser Lustwandeln in Agulo beendet hatten wollten wir weiter zu einem Geocache, der an einem besonderen Ort lag.

An der Playa Santa Catalina befindet sich eine alte verlassene Verladestation für Schiffe. Hier wurden seit 1890 Exportgüter wie Bananen auf Schiffe verfrachtet. Ein Anlegen der Schiffe war durch die starke Brandung oft nicht möglich und so wurde die Fracht per Kran verlastet. Das alte Fundament des Krans kann man heute noch sehen.

 

Mittlerweile ist die alte Industrieruine ein beliebter Badeort, vor allem für Einheimische.

Hier suchten wir unseren Geocache und fanden ihn mal wieder nicht. Da wir keine Badesachen dabei hatten und uns da unten zu viel Getümmel ist machen wir uns wieder auf den Weg. Wir entdeckten noch einen Supermarkt wo wir Getränke zum Wandern und den Genuss am Abend einkauften. Im Supermarkt machte ich gleich mal negativ auf mich aufmerksam in dem ich mit meinem Rucksack an einem riesen Glas Apfelmus hängen blieb und es in tausend Teile auf dem Boden zersprang. Ich wäre auch am liebsten zersprungen, wie unangenehm. Aber das Personal sah das ganz locker, scheint nicht das erste Mal passiert zu sein. Man muss aber auch dazu sagen das die Gänge in kanarischen Supermärkten sehr eng sind, es gibt halt wenig gerade Fläche zum Bebauen.

Wir machten uns wieder auf den Rückweg, nahmen aber die längere Route über Vallehermoso, um noch ein wenig von der Insel zu sehen. Und das lohnt sich, La Gomera ist unglaublich vielseitig. Von trockener Wüste bis zum Regenwald ist alles vorhanden. Leider sind 8% von dem schönen grünen Teil der Insel dem großen Feuer von 2012 zum Opfer gefallen, und das sieht man heute noch deutlich. Dennoch ist La Gomera immer noch die schönste der kanarischen Inseln für uns.

Als wir wieder im Hotel sind wollen wir nicht bis zum Abendessen vor uns hinvegetieren und laufen noch nach Playa de Santiago, unserem kleinen Fischerdorf. Dort kauften wir Zigaretten und zwei Dosen Bier. Es gibt an der Steilküste einen Ort, wo wir schon immer mal ein Glas Wein zusammen trinken wollten. Das haben wir vor fünf Jahren nie gemacht. Heute holen wir das mit Dosenbier nach, ist aber genauso romantisch.

 

Und da sich das Bauen von Steinmännchen hier als Volkssport etabliert hat, dachte ich mir, das kann man doch auch anders umsetzen. Gesagt getan.

 

Wir hören noch ein wenig den Gelbschnabelsturmtauchern beim Krakelen zu und ich sage

Gute Nacht liebes Tagebuch

 

 

Samstag, 4. Juli 2015

La Gomera Tag 9 auf dem Wanderweg PR LG 18 Lost Place

Wenn ich den heutigen Tag so vor meinem geistigen Auge vorbeiziehen lasse, bin ich mir nicht sicher ob ich ihn positiv oder negativ bewerten sollte. Mit etwas Abstand gesehen war unsere heutige Tour schon schön aber irgendwie auch ohne Sinn bzw. haben wir unsere Ziele nicht erreicht. Aber eigentlich auch schon.

Machen wir einen kleinen Exkurs in kanarischer Geschichte um unsere Motivation, zur Mittagszeit durch eine staubtrockene Gegend zu Wandern, zu erklären.

Auf den Kanaren wurde im 15. Jahundert im großen Stil Zuckerrohr angebaut. Für die Anbauflächen wurden alle Wälder abgeholzt und da Ökonomen nie ökologisch denken, fiel Ihnen zu spät auf, dass durch diese Aktion die natürliche Möglichkeit Wasser zu speichern im Eimer ist. In den Bäumen verfängt sich normalerweise Nebel, kondensiert und wird im Gestein der Insel gespeichert.

Ohne Süßwasser auch kein Zuckerrohr. Dann dachte man sich, wir bauen halt Wein an, aber auch das ging Mitte des 19. Jahunderts in die Binsen. Die Mehltauseuche wurde eingeschleppt und machte den Wein kapput. Nächster Plan: Kaktusse anpflanzen, Blattläuse darauf züchten und die zermahlen als Farbstoff für Lebensmittel verhökern. Wer übrigens in seinen Lebensmitteln die Bezeichnung E 120 findet isst trächtige zermahlene Blattläuse. Aber rote Farbe kann man auch künstlich herstellen und so ging auch dieses Geschäftsmodell den Barranco herunter. Als dann noch eine Persönlichkeit wie Franco an die Macht kam und das Land noch mehr an die Wand gefahren hat, flüchteten 10.000 Gomeros von ihrer Insel in andere Länder.

Dadurch wurden ganze Landstriche entvölkert und die ehemals bewohnten Gebäude blieben zurück. Und der Grund für unsere aberwitzige Wanderung ist, dass wir auf den Spuren einer solchen Siedlung sind. Wir wollen die verlassenen Häuser finden und begutachten. In Fachkreisen nennt man solche Orte auch Lost Place. Aufmerksam wurden wir auf diese Aktion durch einen Geocache in der Siedlung.

Die Anfahrt vom Hotel zum Einstieg der Tour war recht kurz und als wir am Einstieg vorbeifuhren, parkte dort schon ein Auto, für mehr war kein Platz. Der Einstieg lag direkt an einer Hauptstraße.

Wir sahen aber auch eine kleine Zufahrt, die eher etwas mit einer Uferböschung gemein hatte als mit einer Straße. Kurzerhand beschlossen wir, den Mietwagen auf geländetauglichkeit zu testen und fuhren im ersten Gang den steilen Schotterweg hoch. Der Wagen schaukelte wie ein Schiff in starker Brandung aber wir erreichten einen kleinen Parkplatz und stellten das Auto ab. Hier fanden wir auch gleich einen schönen Zugang zum Wanderweg. Gut gepflastert und ausgeschildert mit einem Schönheitsfehler, nach fünf Metern hörte der Weg auf und verlief augenscheinlich im Nichts.

 

Ich erkundete ein wenig die Umgebung und tatsächlich ging der Weg weiter, nur nicht so komfortabel. (Auf dem Bild rechts vom Berg)

Also gingen wir los auf dem Weg zu den verlassenen Häusern. Und es war heiß, sehr heiß, doch wir wollten diesen Ort finden und sehen. Ich habe mal in einem Bild ganz grob visualisiert wo es lang ging.

Die ersten hundert Meter lassen sich sehr gut gehen, es geht immer bergab auf Steinen.

Doch die Hitze macht aus einem bisher einfachen Weg einen Tripp durch die Hölle.

Je weiter wir absteigen desto anspruchsvoller wir auch das Gelände. Wir sind menschenseelen allein, niemand außer uns und einer Ziege ist auf diesem Weg. Die Ziege sehen wir lange Zeit nicht, hören aber ihre Glocke und Klagelaute, ihr ist wahrscheinlich auch tierisch heiß.

Doch plötzlich hören wir Stimmen und dann tauchte die holländische Fußballnationalmannschaft beim Höhentraining vor uns auf. Wir müssen einen Hitzekoller haben. Warum tragen Fußballspieler Bauhelme und einer hat sogar eine Kühlbox unter dem Arm. Die vermeintlichen Holländer sind ein Bautrupp, der hier unterwegs ist, bestimmt 15 Mann und alle im orangen T-Shirt. Warum sie das tun, vor allem weil sie kein Werkzeug oder ähnliches dabei haben, bleibt uns schleierhaft. Aber jeder Einzelne aus dem Trupp grüßt uns. Und beide Seiten sehen in was für einer scheiß Lage wir doch sind, es ist heiß, es ist steil, die Blicke beider Seiten sagen mehr als tausend Worte.

 

 

Weiter geht es Meter für Meter, Stein für Stein. Immer wieder nuckeln wir an unseren Trinkschläuchen. So können wir beim Laufen Wasser aus unseren Wasserflaschen im Rucksack trinken. Doch das Wasser hat sich mittlerweile wie wir total aufgeheizt. Es erfrischt nicht, es schmeckt nur scheiße. Doch wir sind sehr diszipliniert was das Trinken angeht. Immer wider kleine Schlucke, nicht viel auf einmal, das würden wir sofort wieder ausschwitzen. Nur so können wir in extremer Hitze mitten im Berg unsere Körper leistungsfähig halten. Wasser ist Leben und eine Dehydrierung kann in dieser Umgebung schnell böse Folgen haben. Man wird unkonzentriert, und ein Fehltritt hat in dieser Situation leider zur Folge das man ironischerweise in einem Bachbett endet, das ist dann auch noch trocken aber auch 200 Meter weiter unten.

 

Die Wege haben hier nun einmal kein Geländer, links Fels, rechts freier Fall. Bei diesem Foto stehe ich mit dem Rücken an der Felswand, der Weg ist ca. einen Meter breit.

Unterwegs haben wir schon Überreste der alten Siedlung entdecken könne.

 

 
 

Doch als wir das eigentliche Ziel erreichen sind wir ein wenig enttäuscht. Zu den eigentlichen Häuser können wir nicht vordringen, wieder versperren uns Kakteen den Weg, wie eine undurchdringliche Stacheldrahtwand. Ich versuche noch an einer Felswand mein Glück aber unterlasse das. Wir haben ja schon einschlägige Erfahrungen mit dem Erklettern von Dingen. Hoch geht immer, zurück ist eine Katastrophe.

 

 

Und den Geocache fanden wir auch nicht, wir sind enttäuscht, körperlich angeschlagen und sauer.

Aber alles bemitleiden hilft nicht, wir müssen wieder zurück. Steile Passagen kosten uns Zeit und Kraft.

Habe ich schon erwähnt das es heiß ist. Jeder von uns hat ab Start übrigens drei Liter Wasser im Rucksack. Wer unter solchen Bedingungen wandert sollte das berücksichtigen.

Wir schleppen uns von Stein zu Stein, die Kräfte schwinden. Meine Sonnenbrille schließt mit meinen Wangenknochen ab und wenn ich die Brille kurz anhebe kullern mir dicke Schweißtropfen über die Wange, die sich unter der Brille gesammelt haben.

Ab jetzt haben wir einen Punkt erreicht wo jeder für sich wandert. Damit meine ich nicht das jemand zurückgelassen wird sondern das Kopfkino, das jeder für sich bewältigen muss. Ich weiss was in Vic's Kopf vorgeht, sie denkt das Selbe wie ich. Einen Fuß vor dem Anderen, nicht denken, gehen. Keiner kann dem Anderen in so einer Lage helfen oder gar motivieren. Jetzt heißt es Machen, und das muss jeder für sich machen.

Das klingt jetzt ein wenig abgedreht, aber so funktioniert das hier draußen und wir haben genug Erfahrung mit solchen Situationen. Abgesehen davon sind wir nicht in Gefahr, es ist nur tödlich anstrengend.

Unterwegs habe ich mir noch einen Insektenstich aufgekratz und der blutet seit geraumer Zeit, auch nach einer Stunde ist das Blut nicht geronnen, weil immer wieder Schweiß das Blut verdünnt.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir wieder unseren Mietwagen namens Polly und sind überglücklich. Wir sind stolz auf unsere Leistung, stolz, durchgehalten zu haben. Ein Stück zufrieden und ein wenig verunsichert ob wir noch bei gesunden Menschenverstand sind.

Und da möchte ich die Frage am Anfang dieses Berichtes noch mal aufgreifen, ist dieser Tag positiv oder negativ verlaufen. Wir haben unser Ziel, die Häuser zu erkunden, nicht erreicht, auch den Geocache haben wir nicht gefundenen. Aber wir haben für uns eine gute Leistung abgeliefert, wir haben zusammen wie ein Uhrwerk funktioniert. Wir wanderten mit unseren Gedanken allein aber waren es nie. Und so komme ich zum Entschluss: ja das war ein verdammt guter Tag.

An diesem Punkt möchte ich noch Abraham Lincoln zitieren:"ich gehe langsam, aber ich gehe nie zurück"

Erschöpft aber glücklich mache ich am Ausgangspunkt noch ein Foto und entdecke einen totenkopf in der Felsformation, entweder die Sonne hat mein Hirn zerbruzzelt oder was weiß ich, aber seht selbst.

Unsere Füße schmerzen, unsere Schultern sind verspannt aber wir sind zufrieden. Morgen geht es auf einen Roadtripp.

Gute Nacht liebes Tagebuch

 

 

 

Freitag, 3. Juli 2015

La Gomera Tag 8 Geocaching und Imada

Der Tag heute begann wieder mit der traurigen Routine, dass der Wecker um 8:30 klingelte. Wie jeden Morgen zog ich mir den Eisbärpelz in Form des Bademantels an und sondierte mal die Wetterlage. Mein erster Eindruck: ich bin ein Eisbär am falschen Platz. Der Planet brennt jetzt schon wie die Hölle.

Wir gingen erst einmal frühstücken und saßen danach auf dem Balkon. Und das total orientierungslos, wir hatten am Vorabend nicht wie üblich einen Plan für den Tag geschmiedet. Unsere Ausflugsplanung beinhaltet immer ein intensives Kartenstudium, der Reiseführer muss interpretiert werden usw. nur heute hatten wir gar keinen Plan.

Nun saßen wir also vor unserer aufgehängten Karte, schwitzten und starten total teilnahmslos auf das Stück Papier. Doch eine Idee kam nicht, wir schwitzten nur rum. Da das Geocachen in letzter Zeit ein wenig zu kurz kam schaute ich mal nach ob es in der Nähe besondere Caches gibt.

Und ich fand einen bei Imada, dort sollte ein verlassenes Haus stehen, was in einer Barrancowand stand. Da wollten wir heute hin. Unterwegs gab es noch drei weitere Geocaches, die man mit dem Auto anfahren konnte und die standen mit auf dem Plan.

Am ersten Cache an einer Steinmauer suchten wir uns dumm und dusselig bis eine junge Frau uns auf englisch fragte, ob wir eine Cache suchen. Wir antworteten mit "Ja" wortlos kramte sie ein paar Steine beiseite und offenbarte das Versteck. Und genauso schnell wie sie auftauchte verschwand sie auch wieder, wortlos.

So sah der Cache aus, ein Rohling für PET Flaschen unter Steinen. Völlig perplex trugen wir unsere Namen in das Logbuch ein und versteckten den Cache wieder. Was für eine merkwürdige Begegnung. Weiter ging es zu einem Friedhof, dort stand ein altes Haus und auch dort fanden wir einen weiteren Cache.

Vic wollte sich den Friedhof noch anschauen, das ist nicht so meins aber ich ging mit. An dieser Stelle möchte ich mal kurz die kanarischen Friedhöfe beschreiben. Man stelle sich eine Reihe Bahnhofsschließfächer vor, nur das jedes Fach die Größe eines Sarges hat und das auf vier Stockwerke verteilt. Dort werden die Toten reingeschoben und eingemauert. Wer Geld hat setzt als Tür einen fetten Mamorstein, der mit aufwendigen Fotoarbeiten verziert ist und irgendwie eine Mischung aus Kitsch und individueller Würdigung des Toten zu sehen ist. Wer arm ist bekommt nur die Klappe zubetoniert und mit Edding wird sein Name verewigt. Wie im Leben, haste was biste was. Das ist auch hier nach dem Tod so.

Der Hintergrund für diese Leichenstapelei ist relativ simpel. Man kann auf den Kanaren nicht einfach den Spaten zücken und ein Loch in die Erde schaufeln. Die Inseln bestehen aus massivem Lavagestein. Außerdem ist der Platz an ebener Fläche begrenzt und so wird eben nach oben geschichtet.

Aus Respekt vor diesem Ort habe ich bewusst auf das Fotografieren verzichtet, auch wenn es sehr interessante Bilder gegeben hätte.

Weiter ging es zu dem Ort Imada, ein typisches kanarisches Dorf mitten in den Bergen, wo sich nie ein Tourist hin verirrt. Es gibt keine Bars, keinen Supermarkt, nur kleine Häuschen mitten im Nichts. Was man auch bei der Anfahrt gemerkt hat, die Straßen wurden enger, die Serpentinen steiler, ich liebe es.

Über einen gut befestigten Weg bewegen wir uns in der Barrancoflanke.

 

Und dabei können wir ein wahnsinns Panorama beobachten. Ich habe einiges gefilmt, sobald wir zu Haus sind schneide ich das Material und es wird das obligatorische Urlaubsvideos geben, es lohnt sich dieses Mal reinzuschauen.

Der Weg wird immer mehr gomerisch rustikal, ist aber immer noch gut zu gehen.

 

Leider sind wir nicht zu dem verlassenem Haus gekommen, der eine Zugang war durch Kakteen so zugewuchert, dass es einfacher wäre sich nackt durch NATO Draht zu robben und der andere Zugang war in einer Steilwand. Uns schlugen immer wieder heftige Windböhen um die Ohren, so dass wir auf den Zustieg verzichteten. Nervenkitzel hatten wir im Urlaub schon, und wir müssen Fortuna ja nicht überstrapazieren.

Das war im Groben unser Tag, nicht spektakulär aber wir haben schöne Stunden auf der Wanderung verbracht.

Morgen gibt es eine besondere Wanderung, sie steht in keinem Reiseführer und es wird einem abgeraten, diese Tour im Sommer zu unternehmen. Wir werden sie in Angriff nehmen, wir haben uns heute Abend gründlich vorbereitet. Kartenmaterial ausgewertet, GPS Daten ausgelesen, endlich weg von den Rother-Touri-Touren. Wir gehen endlich wieder auf eigene Faust los. Das Abenteuer wartet auf uns und wir werden kommen.

Gute Nacht Liebes Tagebuch

 

 

Donnerstag, 2. Juli 2015

La Gomera Tag 7 Alto de Garajonay der höchste Berg von La Gomera

Beginnen wir heute doch mal mit ein wenig Romantik. Ich möchte euch die Geschichte von der Prinzessin Gara aus La Gomera und dem Fischer Jonay aus Teneriffa erzählen. Die Prinzessin Gara verliebte sich in den armen Fischer Jonay und der schipperte mit einem kleinen Floß ständig von Teneriffa aus nach nach La Gomera um seine Liebste zu sehen. Doch irgendwelche Blaublüter-Priester fanden die Beziehung nicht standesgemäß und sagten voraus, dass der Insel großes Unheil droht wenn die beiden ein Paar bleiben.

Als die beiden sich dennoch das Ja Wort geben wollten brach zu ihrem Pech in dem Augenblick ein Erdbeben los und der alte Teide (Vulkan auf Teneriffa) brach aus. Es wird sich wahrscheinlich so abgespielt haben.

Die blöden Priester haben rumgebrüllt "ich habe es ja gleich gesagt" und die nicht ganz helle Adelsfamilie hat in einer Kurzschlusshandlung den armen Jonay mit einem Boot stantepede wieder nach Teneriffa verfrachtet. Religion und Verwandtschaft haben schon immer die größten Tragiken der Geschichte hervorgebracht.

Doch Jonay, das alte Schlitzohr, hat mit seinem Trümmerfloß kurzerhand wieder heimlich rübergemacht. Da die Beiden auf der Beliebtheitsskala ganz unten standen, sich aber irgendwie abgöttisch liebten, flüchteten sie in die Wälder der Hochebene. Wer schon einmal dort war weiß, ein scheiß Ort zum Überleben.

Das haben auch die Beiden erkannt, ihre Liebe hatte einfach keine Chance. In ihrer ausweglosen Situation spitzten sie sich eine Lanze aus einem Lorbeerbaum beidseitig an und rammten sich das Teil gleichzeitig durch die Brust. Verbunden durch die Lorbeerlanze verstarben sie Arm in Arm.

Man verzeihe mir die etwas neumodische Interpretation dieser Saga. Aber so oder so ähnlich soll es sich im 15. Jahrhundert abgespielt haben. Und seit dem berichten die Gomeros, heißt der höchste Berg der Insel Garajonay. Ihnen zu Ehren und für immer vereint.

Wer jetzt noch ein Schaschlik mit einem Lorbeerstrauch penetriert ohne dabei eine Träne aus dem Knopfloch zu drücken ist herzlos.

Aber kommen wir endlich zu unserer heutigen Wanderung. Wie man sich vielleicht denken kann ging es auf den höchsten Berg von La Gomera, dem Alto de Garajonay. Der Weg führte uns von Laguna Grande durch die Hochebene.

 

Man beachte die Spitze Bergkuppe in der Mitte des Bildes, das ist unser heutiges Ziel. Die Wege sind gut zu gehen und es geht, wie sollte es auch anders sein, immer Berg auf.

Wir werden durch urige Wälder geleitet. Wälder, die eigentlich keine mehr sind. Im Jahr 2012 wurde La Gomera von einem riesigen Waldbrand heimgesucht. Zwanzig Prozent des Nationalparks verbrannten völlig. Je höher wir steigen, desto schlimmer werden die Auswirkungen des Waldbrandes.

Es ist traurig zu sehen, wie die toten Bäume als schwarze stumme Zeitzeugen einer Katastrophe sich immer noch in den Himmel Strecken aber nie wieder wachsen werden. Dennoch haben sie den Stolz nicht verloren stehen zu bleiben.

 

 

Aber an anderen Stellen kommt die Natur wieder zurück. Das satte Grün entfaltet sich und der Start für ein Neuanfang ist gegeben. Irgendwann wird La Gomera wieder seine ursprüngliche Vegetation zurückbekommen, aber das wird dauern, leider.

Wir erklimmen weiter mit jedem Schritt die Höhenmeter die uns noch bis zum Gipfel fehlen. Auf dem letzten Abschnitt gibt es sogar eine befestigte Straße die das Gehen sehr erleichtert, aber das Naturerlebnis schmälert.

Nach ca. 1,5 Stunden stehen wir endlich auf dem höchsten Punkt von La Gomera.

 

Die Aussicht auf die Nachbarinseln ist einfach nur schön, wir können El Hierro, Teneriffa und La Palma auf einmal sehen. Was für eine Aussicht. So etwas lässt sich schwer in Worte fassen, diese unendlichen Weiten muss man einfach selbst sehen und erleben.

 

Schweren Herzens machten wir uns an den Abstieg. Diese Aussicht zu verlassen fällt einem nicht leicht. Der Abstieg erfolgte auf einem anderen Weg wie der Aufstieg. Und hier wurde man mit den Folgen der Katastrophe von 2012 massiv konfrontiert.

Wir fühlten uns wie die letzten Menschen, die einen Atomschlag überlebt haben. Ausgetrockneter Boden, verbrannte Bäume, und wir sind Menschenseelen allein.

 

Dieser Anblick ist erschreckend und faszinierend zugleich.

Doch er birgt auch Gefahren. Vic wurde von einem unbekannten Insekt in den Oberschenkel gestochen, gebissen oder was auch immer. Sie beschrieb den Schmerz um ein Vielfaches höher als einen Wespenstich. Vic meinte, dass noch ein Stachel in der Wunde ist. Ich untersuchte mit einer Lupe die Einstichstelle, konnte aber nichts entdecken. Aus meinem Erste Hilfe Set, das die Ausmaße eines Arztkoffer hat, holte ich Fenistilgel hervor und versorgte die Einstichstelle. Selbst die Berührung mit dem Gel auf der Haut verursachte Schmerzen. Aber nach kurzer Zeit hat das Gel eine lindernde Wirkung gezeigt.

Mich hat letztes Jahr auf Teneriffa auch so etwas beim Autofahren in den Nacken gebissen, für mich sah das so aus wie eine fliegende Ameise. Auf jeden Fall hatten wir die selben Symptome. Sollte ein Wissender diesen Blog lesen, bitte hinterlass doch ein Kommentar und sag uns was das gewesen sein könnte.

Wir stiegen nach dem Vorfall unbeirrt weiter ab und genossen den morbiden Scham des Waldsterbens und des Waldlebens.

Vic hatte unterwegs noch einen Blinden Passagier mit an Bord. Rund einen Kilometer hat es sich ein Schmetterling auf Vics Rucksack gemütlich gemacht, wir nannten ihn George (englisch ausgesprochen).

Und 1,5 Stunden später standen wir wieder an unserem Auto. Unsere Trackaufzeichnung zeigt 14,8 Km an. Das war bei Weitem die leichteste Tour aber die längste bis jetzt auf La Gomera. Wer jetzt km Angaben mit den deutschen Wanderwegen vergleicht und sagt was dümpeln die da den rum, dem sag ich: vergleiche mal die Topographie. Kennst du das Wort Topographie nicht, halt die Klappe.

Nach so einer Tour sehen unsere Füße übrigens so aus.

Ich habe übrigens keine Leggins an, das ist feinster Dreck. Das war eine geile Tour und wenn man Gara und Jonay mit im Hinterkopf hat auch wild romantisch.

Gute Nacht Liebes Tagebuch