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Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freude, Schönheit der Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur,
Darum, Mensch, sei zeitig weise!
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Zitat
Wilhelm Busch

Geocaching

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Mittwoch, 2. März 2016

Projekt Gold Tag 2 im Harz

Beim ausgiebigen Frühstück schauten wir aus dem Fenster und beobachteten durch doppelt verglaste Fenster was für jeden Wanderer ein Alptraum darstellt. Draußen fegt Schneeregen durch die Landschaft und die Baumwipfel biegen sich im Wind. Und das alles bei Außentemperaturen von knapp über Null. Das sind einfach klimatische Bedingungen, die Gift für die Knochen sind, die Nässe gepaart mit Kälte und verstärkt durch Wind wird in jede Faser unseres Körpers eindringen, so schießen mir die Gedanken beim Blick durch das Fenster und mit einem Leberwurstbrötchen in der Hand durch den Kopf.

Unsere Motivation hält sich in Grenzen. Ich sehe das Projekt Gold ernsthaft in Gefahr. Auf unserer geplanten Tour stehen 5 Stempel, ca. 13 km und etliche Höhenmeter auf der Uhr.
Alles Jammern hilft nichts, wir rödeln auf und begeben uns zum Startpunkt der Tour. Wie auf Kommando hört der Schneeregen auf und die Sonne lässt sich sogar gelegentlich im grauen Einerlei des Himmels erkennen. Die Stimmung steigt und wird sofort wieder auf die Probe gestellt. Der Starpunkt ist nicht zugänglich weil das Areal wegen Baumfällarbeiten gesperrt ist.
Kurzerhand wird die Karte konsultiert und die Route umgeplant. Und wieder sehe ich das Projekt Gold in Gefahr.

Langsam setzen wir uns in Bewegung und stapfen über befestigte Forstwege durch den Wald. Und das zieht sich sehr langsam hin. Die Monokultur des Waldes gepaart mit der Monotonie eines Forstweges machen Zeit relativ, relativ lang.
Endlich verlassen wir die Schottenpiste und begeben uns auf einen schönen Stieg mit moosbewachsenen Felsen, immer bergauf. Doch dann tut sich ein erneutes Problem auf das uns noch öfter begleiten soll.
Noch vor ein paar Tagen lag hier überall Schnee, aber die Temperaturen sind tagsüber auf über Null Grad angestiegen. Man muss kein Wissenschaftler sein um sich auszumalen was dann passiert. Der Schnee schmilzt, aber die Temperaturen sind Nachts noch deutlich unter Null Grad und der ganze Mist friert wieder ein. Und das immer im Wechsel.
Das sorgt regional für massiv vereiste Wege.

Und so ist auch unser romantischer Stieg von der Laune der Natur betroffen. Nasse Steine und Baumwurzeln sind schon Garanten um sich mit dem Allerwertesten in den Dreck zu setzen. Doch wenn ein solches Terrain mit einem dicken Eispanzer überzogen ist, sind Schlittschuhe sinniger als Bergstiefel.

Im Tippelschritt schlitterten wir bergauf. Das ist besonders belastend für die Gelenke, ständig rutscht unverhofft ein Fuß wech und man muss alle Muskeln anspannen um nicht den Spagat auf der Baumwurzel zu vollziehen. Mal abgesehen davon das keiner von uns anatomisch in der Lage ist einen Spagat ohne tödliche Verletzungen durchzuführen.
Aber landschaftlich ist es total schön.

Als wir die Wolfsklippen erreichten konnten wir auch gleich unseren 16 Stempel in das Heft drücken. Und das bedeutet wir haben die Silberne Wandernadel erreicht. Mir persönlich gab das einen Motivationsschub und weiter ging es durch Wald und gefrorener Piste.

Wir erreichten bald eine Kreuzung wo es links zu Ferdinands Stein geht, wo sich auch die nächste Stempelstelle befindet und rechts geht es auf unseren Trail.
Doch die komplette Kreuzung ist gefroren. Ein mehrere Zentimeter dicker Eispanzer überzieht die komplette Kreuzung  und die abzweigenden Wege. Durch den ständigen Schmelz-Gefrier Prozess ist das Eis zu einer spiegelglatten Bahn geworden auf der jede Hockey Mannschaft eine Meisterschaft austragen würde.
Wir schlagen uns abseits der Wege hoch zum Ferdinand Stein. Hier oben herrscht nicht nur derber Kahlschlag sondern auch eine steife Brise. Landschaftlich ist das nicht wirklich schön, nur die bizarren Eisgebilde auf dem Wanderweg üben eine gewisse Faszination aus.
Nach dem Stempeln machten wir uns rasch auf zum Abstieg. Wieder mit der Option einen anatomisch nicht möglichen Spagat zu fabrizieren.

An der besagten Kreuzung machen wir eine kleine Pause, und ein hammer Ausrüstungsgegenstand kommt zum ersten mal zum Einsatz. Das selbstaufblasbare Sitzkissen. Wir werden auch nicht jünger und das im nassen Gras Sitzen und dabei einen kalten Arsch zu bekommen um dass mit Naturverbundenheitheit zu rechtfertigen ist einfach vorbei.
Ein weiterer Wanderer passiert während unserer Pause schnaubend den Eiskanal, wir grüßen uns und nur durch Blickkontakt tauschten wir Emotionen aus. Er wusste was auf uns wartet und wir wussten was er schon durch hat. Das mag ich am Wandern, man trifft Menschen die das Selbe durchmachen wie du. Viele Worte sind nicht notwendig. Nur ein Lächeln, ein ernsthaftes Lächeln. Herrliche kleine heile Welt, abseits vom Wahnsinn was sich Leben nennt.
Alle Romantik hilft  nicht, wir müssen den Eispanzer überwinden. Kurz überlegen wir ob wir nicht auf den Sitzkissen einfach runterrutschen. Doch wenn die Teile kaputt gehen haben wir wieder einen kalten Arsch. Also keine Option.
Halb durch den Wald und sehr unästhetisch bewegen wir uns durch das Terrain. Tatsächlich haben wir es ohne Oberschenkelhalsbruch geschafft die Passage zu meistern.
Und dann ging es total unkompliziert weiter, immer über Forstwege und das nervt.
Doch um Langeweile zu vermeiden hat Petrus einen tollen Einfall. Er lässt es einfach mal regnen, und steigert die Intensität kontinuierlich. Aber ab und zu gibt es einen Lichtblick, die Sonne kommt für einige Minuten durch die Wolken. Das hält den Regen aber auch nicht auf.
Wir sind gut gerüstet und trotzen dem Wetter gekonnt.

Als wir den letzten Stempel für heute erreichen sind wir überglücklich. Und Petrus dachte sich, das kann ja nicht angehen und zauberte ein Schneegestöber aus der Kutte. Gott sei dank gab es an der Stempelstelle eine Schutzhütte und wir suchten Schutz.
Nach kurzem Abwettern geht es weiter, aber da gibt es noch ein Hindernis.
Die alten Baumschubser haben wieder ein Areal abgeriegelt. Also geht es weiter über Forstpisten zurück zum Hotel. So langsam habe ich den Forstpistenblues. Das Gelatsche geht auf die Knie und ist langweilig.
JEHAAA wir haben unser Tagesziel erreicht, 5 Stempel. Wir haben Silber sicher und es fehlen noch 4 Stempel für Gold.

Gute Nacht liebes Tagebuch

Dienstag, 1. März 2016

Projekt Gold Tag 1 im Harz

Das Projekt Gold hat begonnen. Wir sind in der Nähe von Wernigerode, genauer gesagt an der Steinernen Renne. Hierbei handelt es sich um ein Hotel mitten im Wald an einem wunderschönen Wasserfall. Die Anfahrt gestaltete sich ein wenig abenteuerlich, da wir auf den letzten sieben Km ausschließlich auf Forststraßen unterwegs waren. Und Forststraßen sind ja bekanntlich für die Fraktion Landrover und nicht für Dacia Kleinwagen konzipiert. Unser Dacia hielt sich aber für einen der ganz großen SUV`s und erklomm jede Serpentine und wich jedem metertiefen Schlagloch aus. Der coole Fahrer hatte dabei auch ein wenig mitgewirkt.
Wer einmal die Steinerne Renne besuchen möchte sollte wissen, dass kein Navi den Weg kennt. Richtet euch nach der Anfahrtsbeschreibung des Hotels. Am Hotel angekommen waren wir total beeindruckt von der Lage. Das Hotel liegt direkt am Rand eines Wasserfalles, der mit seinem hypnotischen Rauschen im Zwielicht der Mittagssonne im Nadelwald ein beeindruckendes Naturschauspiel darstellt. Wer zwischen den Zeilen ließt merkt wir lieben Wasserfälle.

 Das Einchecken lief ohne Probleme und sehr zügig. Im Vorfeld habe ich mehrere negative Kritiken zum Hotel und dem Personal gelesen. Da wurde von alten DDR Charme und einem kasernenartigen Umgangston geschrieben. Doch das alles kann ich nicht bestätigen. Wir sind jetzt den ersten Tag vor Ort und fühlen uns gut aufgehoben. Das ist natürlich auch ein persönliches Empfinden. Da gibt es die Fraktion „Hallo ich bin der Gast bette mich auf Zuckerwatte und blas mir Zucker dorthinein wo keine Sonne scheint“. Wir gehören eher zur Fraktion „Ich brauche eine freundliche Begrüßung, eine vernünftige Einweisung in den Tagesablauf und danach, lasst mich alle in Ruhe ich habe Urlaub“. Einen kleinen Schock haben wir beim Betreten des Zimmer bekommen (Zimmer 2). Das Ding ist kleiner als eine Gefängniszelle. Wir haben ca. 11-12 Quadratmeter inklusive Schrägen als Wohnfläche. Das Bad ist nicht mit eingerechnet. Das macht netto eine Flache von 5 Quadratmetern auf denen man sich bewegen kann.


Im Endeffekt alles nicht schlimm weil wir zum Wandern hier sind, nur leider sind die Tage kurz und kalt. Irgendwann muss man in seiner Höhle verschwinden. Was mich aber am meisten stört ist der Preis für das Minizimmer. Immerhin werden hier 85 Euro für ein Doppelzimmer mit Frühstück aufgerufen. Auf der Homepage werden super Zimmer gezeigt. Von einer Blubberblasenbadewanne bis hin zum Zimmer mit wunderschönen Erker ist alles dabei. Nur das Mauseloch fehlt. Also vor der Buchung unbedingt abklären was für ein Zimmer man bekommt.
Wir kommen damit klar, denn unser Zelt wäre kleiner. So jetzt aber wieder zum „Projekt Gold“. Was soll das und für was ist das gut. Ganz einfach wir wollten die Harzer Wandernadel in Gold erstiefeln. Momentan sind wir bei Bronze, doch in diesem Urlaub wollen wir Gold, und da Silber dazwischen liegt das natürlich auch. Noch bevor wir unser Auto ausgeladen haben beschlossen wir einfach loszulaufen. Der erste Stempel befindet sich direkt am Hotel, und ist leider defekt. Also Nummer notiert anstatt zu stempeln und weiter geht es durch die harztypische Kulturlandschaft mit tollen Felsformationen.

 Unser nächstes Ziel war der Ottofelsen wo sich eine weitere Stempelstelle der Harzer Wandernadel befindet. Ich musste natürlich da hochklettern, Vic hatte aber keine Lust und studierte das GPS für unseren weiteren Weg. Unser Rückweg zum Hotel führte diesmal an der Felsformation „Gebohrter Stein“ vorbei und damit abseits der Forstwege.

 Der Weg ist wirklich schön aber stellenweise immer noch vereist was das Vorankommen etwas schwierig macht. Das war heute nur eine kleine Aufwärmrunde und morgen geht es in die vollen. Heute hatten wir echt geiles Wetter, doch der Wetterbericht für morgen sieht finster aus. Werden wir das Projekt Gold zu Ende bringen können? Wird uns das Wetter in die Knie zwingen können? All das in meinem nächsten Blogeintrag zum Thema „Projekt Gold“

 Gute Nacht liebes Tagebuch

Freitag, 26. Februar 2016

Projekt Gold oder es geht in den Harz

Bald geht es wieder in den wunderschönen Harz. Einfach mal den Kopf frei bekommen und die Ruhe und Natur genießen. Wir werden als Hauptquartier das Hotel Steinerne Renne beziehen, um von dort aus die Gegend unsicher zu machen.
Da wir ja eher in die Kategorie Jäger und Sammler gehören haben wir uns auch dieses mal ein Ziel gesetzt. Unter dem Namen "Projekt Gold" wollen wir uns die Silberne und Goldene Harzer Wandernadel erwandern. Vor zwei Jahren haben wir es bis Bronze geschafft.
Ganz wichtig, dieses mal gibt es nicht jeden Abend einen Reisebericht. Wir werden kein Internet vor Ort haben. Ich werde wieder Reiseberichte jeden Abend schreiben aber erst nach unserem Trip veröffentlichen. Also keine Sorgen machen wir leben wahrscheinlich noch.
Und hier sind noch zwei mögliche Trips die wir unternehme möchten. Doch Planung ist nicht alles und funktioniert bei uns ja eher semiprofessionell. Also alles ist möglich, mal sehen wo es uns hintreibt. Die Antwort kennt nur der Wind.
PS: Die kleinen Geocaching Symbole auf den Karten stehen für Stempelstellen der Harzer Wandernadel.

Freitag, 19. Februar 2016

Fjällräven Hose mit Wachs imprägnieren

Im Rahmen unserer Reisevorbereitungen für den Harztripp imprägniere ich gleich einmal unsere Fjällräven Wanderhosen. Natürlich in der Hoffnung das Petrus auf unserer Seite ist und eine imprägnierung überflüssigen Luxus darstellt.
Doch der Teufel ist ein Eichhörnchen.


Samstag, 30. Januar 2016

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Meindl Neubesohlung und Globetrotter Service

Egal ob man der Trailrunner- oder Bergstiefelfraktion angehört, ein Schutz für die Füße ist für den Wanderer essentiel. Ich gehe sogar soweit das ich behaupte, dort wo meine Stiefel stehen bin ich zu Haus. Um so ärgerlicher ist es, wenn der wichtigste Ausrüstungsgegenstand unerwartet den Dienst einstellt. Was mir genau widerfahren ist kann man in meinem Erfahrungsbericht zum Meindl Watzmann nachlesen KLICK.
Für die Lesemuffel in Kurzform, am ersten Urlaubstag auf La Gomera ist mir auf Tour die Sohle zerbröselt. Die Stiefel hatten  knapp 500 km auf der Uhr und waren erst ein Jahr alt.
Ich war echt angepisst, und das ist eine geschönte Formulierung meiner damaligen Gefühlslage. Und was macht man als enttäuschter Kunde ohne Stiefel aber mit W-Lan? Genau, man schreibt eine negative Produktbewertung in dem Glauben, es dem Schweineverein heimzuzahlen, der den wohlverdienten Urlaub gefährdet. Und genau so hab ich auch gehandelt.
Wieder in Deutschland war die Wut ein wenig abgeebt und ich nahm mit der Servicestelle von Globetrotter Konntakt auf und schilderte meine Lage per E-Mail. Ich habe meine Stiefel in der Filiale in Hamburg gekauft, aber nach einem Jahr war natürlich keine Rechnung mehr vorhanden.
Sehr schnell bakam ich eine positive Rückmeldung, ich sollte die Stiefel einschicken.
Ich gab an, dass ich keinen Austausch der Stiefel wollte sondern eine Neubesohlung. Der Grund war relativ einfach, ich habe die Dinger perfekt eingelaufen und eine neue Sohle ist auch aus ökologischen Gründen sinnvoller als das ganze Produkt einfach in die Tonne zu werfen.
Kurze Zeit später bekam ich eine Mail das die Stiefel zu Meindl geschickt werden. Ob es sich um einen Garantiefall handelt oder ob das ganze als normaler Verschleiß abgetan wird (was meine Befürchtung war) wurde mir leider nicht mitgeteilt. Das lag aber nicht an Globetrotter, der Hersteller ist für die Begutachtung zuständig.
Nach ca. zwei Monaten hatte ich unerwartet ein Packet bei den Nachbarn liegen, und es waren meine neu besohlten Meindl Watzmann und der ganze Vorgang war für mich kostenlos.
Die Arbeiten an der Sohle wurden absolut sauber ausgeführt. Der Geröllschutzrand wurde nicht mit getauscht, was zum einem nicht notwendig war und ich wollte das auch nicht. Der Austausch des Gerölschutzrandes kann die Passform beeinträchtigen und das lässt sich produktionsbedingt nicht verhindern. Laut Auftragszettel wurde die Laufsohle und der PU Dämpfungskeil im Stiefel ersetzt.
Bei näherer Betrachtung stellte ich fest das sich der Sohlenaufbau verändert hat. Ursprünglich hatte die graue dämpfende Schicht eine offenporige Struktur. Jetzt erscheint die dämpfende Zwischensohle glatt und geschlossen.
Und als kostenlose Zugabe gab es noch neue Einlegesohlen sowie Schnürsenkel. Bei den Einlegesohlen hat sich auch etwas verändert. Am Hacken ist eine kleine Schaumstoffschicht zur Dämpfung angebracht, bei der ursprüngliche Sohle gab es das nicht.
Mein Fazit zu der ganzen Prozedur ist folgendes: Globetrotter hat wirklich einen guten Service abgleistet. Ich hatte keine Rechnung mehr und ich habe schon öfter im Netzt gelesen das Beschädigungen der Sohle als natürlicher Verschleiß angesehen werden und somit kein Garantiefall darstellen. All das wurde nicht in Frage gestellt und total unkompliziert bearbeitet. Auch die handwerkliche Leistung seitens Meindl hat mich überzeugt.
Es hat sich in dem Fall ausgezahlt in einem Fachgeschäft gekauft zu haben. Geiz ist nicht immer geil.

Doch wie konnte es zu dem Schaden erst kommen?
Ich höre schon die kritischen Stimmen, früher hat es das nicht gegeben und die Schuhe haben 100 Jahre gehalten. Auch ich sehe das so, aber nüchtern betrachtet mit Einschränkungen. Der Moderne Wanderer möchte einen gepanzerten Stiefel, am besten noch steigeisenfest, aber man soll damit wie auf Wolken laufen. Die hundertjährigen Bergstiefel gibt es, aber ich sage euch, die möchte heute kein Wohlstandsfuß mehr richtig einlaufen.
Die Problematik liegt im dämpfenden PU Keil der modernen Wanderschuhe. Dieser sorgt für ein sehr angenehmes Laufgefühl trotz steifer Bergstiefel. Leider hat das Materiel einen großen Nachteil, nach ca 6-8 Jahren gehen die Weichmacher aus dem PU Kern flöten und die Sohle zerbröselt. Und das betrifft alle modernen Wanderschuhe egal welcher Marke, Stichwort Hydrolyse.
Und warum ändern die Hersteller bei einem ihnen bekannten Problem nichts?
Die Hersteller gehen davon aus, dass die Sohle innerhalb von 6-8 Jahren sowieso durchgerockt ist und ersetzt werden muss. Doch eine Kleinigkeit vergessen die Hersteller meiner Meinung nach, und zwar den Zeitraum der Lagerung. Die klimatischen Bedingungen sowie die Dauer der Lagerung haben erheblichen Einfluß auf die Lebensdauer des Produktes beim Endkunden. In meinem Fall habe ich einen Frauenbergstiefel in der Schuhgröße 45 gekauft. Ich denke das sich so ein Bergstiefel eher selten verkauft und dementsprechent lange gelagert wurde. Das Resultat habt ihr ja gesehen.
Ich hoffe auf ein Umdenken der Hersteller, denn ein kaputter Wanderschuh kann am Po der Welt auch ein Sicherheitsrisiko für den Reisenden darstellen.

Ich freu mich auf jeden Fall über die neu besohlten Stiefel und kann es kaum erwarten viele Kilometer und Höhenmeter zu fressen.





Sonntag, 10. Januar 2016

Grünkohlwandern eine Feldstudie

Seit ungefähr 36 Jahren verweile ich nun schon auf der Welt und wohne in Norddeutschland. Doch ich habe bisher noch nie an dem Brauch der Grünkohlwanderung teilgenommen. Was den Einen zum Kopfschütteln bringt wird den Anderen zur Aussage bewegen, der lügt doch. Aber es entspricht der Wahrheit. Ich habe mich aus freien Stücken gegen dieses Ritual entschieden und war glücklich mit der Situation.
Wer alles zum Brauch Grünkohlwandern wissen möchte Klick
Grünkohlwandern war für mich immer der Inbegriff der Spießbürgerlichkeit, bei dem sich der deutsche Mittelstand tierisch einen hinter die Binde kippt, ein paar Meter läuft um im Anschluss zerkochten Kohl mit Fett zu sich zu nehmen. Alles Dinge, die der gesunde Menschenverstand nicht tun würde, aber im Rahmen der Brauchtumspflege ist das alles ok. Insbesondere das Entgleisen der gesellschaftlichen Werte und Normen durch zu viel Schnaps ist auch total ok, es geht ja um Brauchtumspflege und Tradition.
Hat man so ein Ereignis gemeistert, geht es wieder zurück zum kleinbürgerlichen Leben und es wird über den Nachbar gelästert weil der Hausflur nicht gewischt wurde. Das man auf Grünkohlwanderung letztes Wochenende einem Unbekannten in den Vorgarten gekotzt hat spielt keine Rolle mehr, es handelt sich ja um Brauchtumspflege.
Versteht mich nicht falsch, derartige Entgleisungen machen Spaß, sehr viel sogar. Aber sich hinter so einem Brauch zu verstecken um seine eigenen Verfehlungen zu rechtfertigen ist irgendwie komisch. Das hat mich immer von so einer Veranstaltung abgehalten. Ich kotze immer ohne Rechtfertigung in andere Gärten ;-)

Ich weiß nicht ob sich die Demenz langsam einschleicht, aber letztes Wochenende ist es passiert, ich habe an einem solchen Event teilgenommen. Wie das geschehen konnte ist mir schleierhaft, doch ich habe es aus freien Stücken getan. Vielleicht doch die Demenz.  Aber ich habe die Zeit genutzt um eine Feldstudie dieses Brauches durchzuführen.

Alles fängt mit der Rudelbildung an, es versammeln sich total unterschiedliche Menschen an einem fixen Treffpunkt. Dabei wird der zeitliche Aspekt sehr flexibel gehandhabt. Das soll bedeuten, die Hälfte kommt zu spät oder erscheint nicht am Treffpunkt.

Hat sich der harte Kern zusammengerottet beginnt der gesellschaftliche Aspekt. Begrüßungen und das Austauschen von Belanglosigkeiten. Dabei ist Vorsicht geboten, das Fettnäpfchen lauert überall. Als ein Mitwanderer seinen Deuter Rucksack aus dem Auto hiefte, begrüßte Vic ihn mit den Worten „Hey du hast ja auch einen Frauenrucksack“. Daraufhin gab es komische Blicke. Nur als Hintergrundinfo, die Firma Deuter kennzeichnet seine speziell auf die weibliche Anatomie angepassten Rucksäcke mit einer Blume am Rucksack. Und dieser Rucksack besaß eben diese Blume, aber D. nahm es Vic nicht übel und war dankbar für die Info.


Und nun beginnt eine zweite soziale Komponente, man beginnt Individuen des Rudels in Schubladen zu stecken. Unser Rudel umfasste ca. 25 Personen. Und schnell stellt man fest, es gibt von „Hey du bist mir total sympathisch“ bis zu „Alter, du überlebst die Wanderung mit mir nicht, weil ich dir hinter der nächsten Buche den Hals aufschlitze“ alles.

Danach setzt sich das Rudel in Bewegung um eine Futterschmiede anzusteuern und dort Kohl sowie fettiges Fleisch zu konsumieren. Unterwegs stärkt man sich mit allerhand geistigen Getränken und flucht über die Wegebeschaffenheit im Wald. Wildlederschuhe sind halt ungeeignetes Schuhwerk bei matschigen Waldwegen. Bisher verläuft alles gut.

Aber beim Wandern direkt gibt es bei so einem Rudel Probleme. Ich bestimme gern mein eigenes Tempo sowie lege ich die Pausen so wie ich sie brauche. Das funktioniert leider im Rudel weniger. Ständig steht man obwohl man laufen möchte oder alle rennen wech, obwohl man doch den Sonnenuntergang bewundern möchte. Das ist einfach nicht meins. Ich gehe doch raus um mein Ding zu machen bzw. meine kleine Freiheit zu genießen ohne Rücksicht auf „Andere“.  Und dann ist da noch die Aussicht.



Ich kann keine zwei Meter in den Wald schauen ohne Menschen um mich herum. Genau aus diesem Grund gehe ich in den Wald, es gibt keinen oder nur wenig Menschen. Ich stehe mehr auf diesen Blick.



Ein weiterer Aspekt des Rudels ist, es ist gar keins. Mit dem Wort Rudel verbindet man einen Verbund, ähnlich wie Wölfe. Sie jagen gemeinsam, haben eine Hierarchie und passen aufeinander auf. Beim Grünkohlrudel kann man als Einzelner schnell verloren gehen. Als Vic und eine Freundin im Wald einmal austreten mussten, blieb ich im angemessenen Abstand stehen um auf die Nachzügler zu warten, das Rudel ging weiter ohne unseren Verlust zu bemerken. Beim kleinen Wandereinmaleins hat das Rudel versagt, setzten, sechs.

Und dann erreicht man sein Ziel, meistens eine urige Kneipe so wie bei uns. Dort wird in rauen Mengen Grünkohl, wie soll es auch anders sein, und jede Menge Wurst aufgetischt. Dabei konsumiert man weiterhin geistliche Getränke.

Und da kommen wir zu einem weiterem Aspekt, meide als Vegetarier solche Veranstaltungen. Vic hat als Vegetarier sehr viele Erfahrungen mit dem Entgleisen von gutbürgerlicher Küche. Aber auf dieser Tour war das der Hammer, die Gemüseplatte entpuppte sich als ein Topf voll von Erbsen und Möhren. Nach 14 Km die man ja nur mit Aussicht auf ein leckeres Essen zurücklegt, kann das der Moral einem herben Rückschlag geben. Ich habe für Vic schon leckerer im Wald gekocht. Klick

Mein Fazit:
Ich habe in 36 Jahren Abstinenz von Grünkohlwanderungen in meinen Augen nichts verpasst. Es gab durchaus angenehme Situationen und es machte mir Spaß. Doch ich wandere lieber mit Vic alleine ohne Rudel und Brauchtumspflege. Falls jemand aus dem Rudel mitliest, nicht alles auf die Goldwaage legen und diesen kleinen Erfahrungsbericht mit einem Schmunzeln konsumieren.
Genießt die kleinen Dinge im Leben :-)